Wer denkt eigentlich mit dir mit?
- Timo Pantwich
- 1. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Ein Kunde, Senior Leader mit Verantwortung für mehrere Teamleiter und eine zweistellige Mitarbeiterzahl, saß vor mir und sagte einen Satz, den ich in dieser Position öfter höre, als man denkt: »Ich habe die Idee schon im Kopf fertig durchgespielt. Ich weiß nur nicht, ob sie trägt.« Es ging um Kulturarbeit in seinem Bereich, eine Initiative, die mehr werden sollte als ein Kickoff-Workshop mit Nachhall von drei Wochen.
Die Idee war gut. Das Problem war nicht die Idee.
Das Problem war, dass sie noch nie jemand ernsthaft in Frage gestellt hatte, bevor sie auf den Tisch kam.
Das Muster: der fehlende Resonanzraum
Das ist kein Einzelfall, das ist eine Strukturfolge. Je weiter oben jemand in der Hierarchie sitzt, desto kleiner wird der Kreis von Menschen, die auf Augenhöhe widersprechen können. Die eigenen Manager wollen nicht querschießen, das ist Teil der Loyalität, die man sich von ihnen wünscht, aber sie kostet eben auch Reibung, die fehlt. Der eigene Vorgesetzte hat selten die Zeit oder die fachliche Tiefe, um in jedes Detail einzusteigen. Und Peers aus der Branche, die das Format hätten, sind oft potenzielle Konkurrenz, oder schlicht zu weit weg vom konkreten Fall.
Was übrig bleibt, ist das eigene Kämmerlein. Man brütet die Idee allein aus, prüft sie allein, trägt sie dann nach außen, und merkt erst dort, wo die Lücken sind.
Resonanz heißt nicht Zustimmung, sondern echtes Gegenlesen: jemand, der die Idee nicht schont, weil er nichts zu verlieren hat, und der sie gleichzeitig versteht, weil er die Mechanik des Themas kennt.
Die meisten Führungskräfte haben entweder Leute, die ihnen wohlgesonnen sind, aber fachlich nicht mithalten, oder Fachleute, die mithalten können, aber strukturell keine ehrliche Gegenposition einnehmen dürfen oder wollen. Die Idee bleibt deshalb länger ungetestet, als ihr gut tut. Wenn sie dann ins System geht, trifft sie auf die erste echte Reibung erst dort, wo ein Scheitern teuer wird.

Bild: WIX Stock
Sparring ist mehr als Zuhören
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einem Sparringspartner und einem wohlwollenden Zuhörer, und er ist größer, als es auf den ersten Blick aussieht. Ich habe selbst über zwanzig Jahre in der Industrie verbracht, vom Azubi bis zur Geschäftsführung mit eigener Verantwortung für vierzig Mitarbeitende und über zwanzig Millionen Jahresumsatz. Wenn jemand mit mir über Vertriebsprozesse, Organisationsstrukturen oder Kulturarbeit spricht, kann ich die Idee inhaltlich stresstesten, nicht nur reflektieren.
Konkret heißt das:
Was passiert, wenn das mittlere Management die Initiative sabotiert, nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Selbstschutz?
Woran merkst du in drei Monaten, ob es trägt oder nur nett aussieht?
Wo bricht der Plan, sobald er auf reale Widerstände im System trifft?
Das ist kein Coaching im klassischen Sinn von »was glauben Sie selbst dazu«. Das ist Sparring auf Augenhöhe, mit jemandem, der das Spielfeld kennt.
Bei meinem Kunden war genau das der fehlende Schritt. Die Idee zur Kulturarbeit war richtig, aber sie hatte keinen Mechanismus, der sie über den Kickoff hinaus trägt, wenn die Energie der ersten Wochen verfliegt. Wir haben gemeinsam herausgearbeitet, wo die Initiative auf vorhersehbaren Widerstand trifft, und wie er das vorab einplant, statt es zu hoffen.
Mein Impuls an dich
Bevor deine nächste größere Entscheidung das Kämmerlein verlässt, frage dich, wer sie wirklich in Frage gestellt hat, nicht wer zugestimmt hat. Wenn dir niemand einfällt, der beides kann, fachlich mithalten und ehrlich widersprechen, ist das selbst schon eine Information über deine aktuelle Situation, nicht über die Qualität deiner Idee.
Wenn du merkst, dass dir dieser Resonanzraum gerade fehlt, lass uns reden. Ein Erstgespräch zeigt schnell, ob ich für dein Thema der richtige Sparringspartner bin.

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